Nesselfasern

Bild: Brennnesselfeld der neuen Generation

Die textile Nutzung der Faser aus der großen Brennnessel (Urtica dioica) reicht mindestens 3.000 Jahre zurück.  Im 19. Jahrhundert gab es sogar eine Nesselmanufaktur in Leipzig. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Naturfasern  von preisgünstigeren Chemiefasern und der preiswerteren Baumwolle verdrängt. In Europa konnte sich nur Flachs mit größeren Anbauflächen, vor allem in der Normandie und Belgien, behaupten.

Der Anbau der Brennnessel mit geringem Fasergehalt in Deutschland und die bisherigen Herstellungsverfahren waren sehr kostenintensiv, so dass es bei einigen Unternehmen nur bei Versuchen blieb, die Nesselfaser wieder im Textilmarkt zu etablieren. Im Vergleich zu anderen einheimischen Faserpflanzen ist der Fasergehalt der Fasernessel bisher mit ca. 10 % gering – Flachs (20 %), Hanf (30 %) – und die Fasergewinnung komplizierter. Dem stehen folgende Vorteile der Nesselfaser gegenüber:

  • Feinheit
  • hohe Reißfestigkeit und
  • sehr hohe Atmungsaktivität.

Zusammen mit einigen Landwirten, Instituten und anderen Unternehmen  wird gemeinsam im FNR (Fachagentur nachwachsende Rohstoffe)  Projekt „Entwicklung einer industriellen Bereitstellungskette von Brennnesseljungpflanzen bis zur Nesselfaser“ intensiv mit staalicher Hilfe geforscht, um feine Fasern aus der neuen Generation einer Brennnessel mit 20 % Fasergehalt zu gewinnen.

In Vorversuchen konnte nachgewiesen werden, dass grundsätzlich unser eingeschlagener Weg, Nesselfasern  „Made in Germany“ herzustellen, richtig ist. In kleinen Mengen können wir bereits Nesselmischgarne – mit bis zu 70 % Nesselanteilen – zum Verkauf anbieten.


Bild: Nesselkardenband (100%) zu Nessel-Mischgarnen

Im non-woven Bereich wurden die ersten reißfesten Vliese und Verfilzungen durch Vernadelung bzw. Verdichtung mit Wasserstrahl hergestellt. Hier sind insbesondere Einsätze im Bettenbereich, bei Accessoires,  im Outdoor Bereich und bei Dekorationen in Entwicklung.